• Samstag, 18.11.2017
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FINANZPLATZ

2014 – voller Rätsel

Von Willy Burgermeister  
2014 – voller Rätsel
© rangizzz - Fotolia.com
Wird’s besser? Wird’s schlimmer? 2014 – ein Jahr gespickt mit Rätseln und tiefgreifenden Umwälzungen. Die Menschen sparen aus triftigem Grund.


Eine lockere Geldpolitik, verknüpft mit dem irren Glauben an ein besseres Zeitalter, raubt uns Anlegern die Ruhe. Anders als die überspannten Finanzmärkte befürchte ich, dass wir an der Schwelle einer wirren Zukunft – wirtschaftlich wie politisch – stehen. Als 73-Jähriger, für den „langfristig“ eine ganz andere Bedeutung gewinnt als für einen forschen 40-jährigen Erwerbstätigen, hüte ich mich vor sog. Experten. Meinem Alter und meinen persönlichen Verhältnissen entsprechend, vertraue ich der folgenden Vermögensaufteilung (in Klammern neutrale Gewichtung):
  • 65 % (20 %) Liquide Mittel - mit 0 % Inflation - kein Kaufkraftverlust
  • 10 % (40 %) Obligationen – nur kurze Laufzeiten - Renditeloses Risiko
  • 15 % (30 %) Aktien – dem eigenen Risikoprofil angepasst
  • 10 % (10 %) Rohstoffe/Gold – im Westen werden Schulden angehäuft, im Osten Gold.
Wir alle tun gut daran, in reale Leistungen zu investieren. Der demographische Wandel, dessen langfristige Konsequenzen zwar noch etwas im Dunkeln liegen, führt dazu, dass sich die heutigen Leistungsträger langsam, aber sicher in den sog. Ruhestand verabschieden und nicht ersetzt werden können.

Schwerwiegende Herausforderungen

Emotionslos betrachtet, zeigen sich Jahre der Unversöhnlichkeit zwischen Politik und Wirtschaft. Ein solcher Zustand setzt dem Vertrauen in unser System arg zu. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, Amerika hängt am Rockzipfel Chinas, seines dominierenden Gläubigers, wenn es darum geht, sich über die haushaltspolitische Verschwendung hinwegzusetzen. Es steht ausser Zweifel, in der Defizit- und Geldschwemmpolitik der USA lauert ein erhebliches Risiko, während sich China an einem entscheidenden Scheideweg befindet. Das alte, auf Export und Investitionen fussende Modell wird aussortiert, das neue, konsumgetriebene steckt noch in den Kinderschuhen. Politiker und Notenbanken frönen seit Jahren einem fatalen Hang nach billigem Geld und begreifen nicht, dass die Geldpolitik das Versagen der Politik nicht zu kompensieren vermag.

Reformen oder Abstieg?

Was wird aus Europa? Die EU ähnelt einer Dauerbaustelle, in der die Bürger verzweifelt nach einer gemeinsamen Identität suchen. Führende Politiker wiegeln weiter ab, aber sie können die von ihnen verursachten Schulden auch nicht über Nacht wegzaubern. Und die von Brüssel ausgehende, alles einengende Regulierungswut vernachlässigt den Menschen. Weniger wäre vermutlich mehr, dafür mit anderen Schwerpunkten. Somit überrascht es nicht, dass der britische Schatzkanzler Osborne unser Augenmerk auf eine fatale Wahl lenkt: Reformen oder Abstieg? Europa mit seinem Anteil von nur 7 % der Weltbevölkerung und einem Viertel der globalen Wirtschaftsleistung verschlingt 50 % der Sozialausgaben.

Und Japan? Sein Premierminister Abe verbindet eine lockere Geldpolitik mit staatlichen Konjunkturmassnahmen und Strukturreformen, um die verkrustete Wirtschaft anzukurbeln. Die Börse klatscht Beifall. Aber Vorsicht: In einem Land, dessen Bevölkerung seit drei Jahren schrumpft und in den kommenden Jahren weiter schrumpfen wird, nisten sich Deflation und kellertiefe Zinsen dauerhaft ein. Die neue Regierungspolitik will den Jungen Hoffnung einflössen. Doch diese Hoffnung könnte enttäuscht werden: Japans Vermögen droht durch Abes riskante Politik ausgehöhlt zu werden.

Der weltweite Konjunkturmotor lief lange Zeit kraftvoll in Fernost, während die führenden Industrienationen mühsam ihren Weg in die Zukunft suchten. Nun aber braut sich dort etwas zusammen, das wenig Gutes verspricht: Eine Immobilienblase in Südostasien und drohende Steuererhöhungen in Japan – verschärft durch das ungute Gefühl, dass Tokio es vielleicht nicht schaffen wird, die Wirtschaft endgültig aus ihrem Stillstand zu befreien.

Kollateralschäden der Zinsentwicklung

Immer wieder mahnen uns verantwortungsbewusste Zentralbanker, dass ihre Optionen, die Untätigkeit und Sorglosigkeit anderer wettzumachen, Risiken bergen und sich nicht endlos dahin ziehen dürfen. Sie wissen, dass sie mit unerprobten, unvollkommenen Werkzeugen die Lage beherrschbar machen wollen. Und sie wiesen wiederholt auf die zunehmende Gefahr hin, dass ihr Wirken mit wachsenden Kollateralschäden und unbeabsichtigten Folgen verknüpft sein wird, je länger sie in ihrer gegenwärtigen Position ausharren. Dies alles aber scheint die Kapitalanleger nicht sonderlich zu beeindrucken. Ihre Risikobereitschaft sprengt jeglichen, durch die fundamentalen Gegebenheiten gerechtfertigten Rahmen.

Energie

Die Welt verlangt unbändig nach Energie. Energiesicherheit und deren Kosten erweisen sich als Hebel der Zukunft. Hinkt Europa, im Gerangel um Energie, dem Rest der Welt bald aussichtslos hinterher? Dass die USA und Kanada so viel Schiefergas und Öl aus dem Boden holen, baut die Fundamente der Weltpolitik gehörig um. Eine mögliche Folge: Europa verliert an Einfluss und Wettbewerbsfähigkeit.

Schliesslich fragen wir uns: Wie wehren und schützen wir uns gegen die aufdringliche Überwachung? Warum kauft Google für 3.2 Milliarden Dollar ausgerechnet ein Unternehmen, das Thermostate und Rauchmelder herstellt? Um Daten aus Millionen von Haushalten anzuzapfen?

Und bitte nicht vergessen: Schmerzhafte Schieflagen an den Finanzmärkten werden in Zeiten der Euphorie gezeugt!


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