• Samstag, 18.11.2017
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FINANZPLATZ

2013 – Fragen über Fragen

Von Willy Burgermeister  
  Es braut sich einiges zusammen...
© Katrina Tuliao (Wikipedia)
„Man mag sagen, was man will, die Menschen tun so und so oft auch nichts anderes als – bellen, gackern, krähen, meckern usw.“ Mit diesem Bonmot von Christian Morgenstern wünsche ich ein gesundes und erfolgreiches 2013.


Ökonomische Verwerfungen und ökologische Herausforderungen ziehen unsere Entscheidungsträger rund um den Globus in ihren Bann. Zufälle, Brüche und nicht Vorhersehbares werden die kommenden Monate entscheidend prägen. Trotzdem lohnt es sich, über zwingenden Konsolidierungsdruck, aufstrebende Kraftzentren, ungebrochenes Bevölkerungswachstum, alternde Gesellschaften und aufziehende Ressourcenverknappung vertieft nachzudenken.

Ende des Wachstums?

Im Kielwasser der Schuldenkrise rücken Sparpolitik und das Tasten nach neuen, staatlichen Einnahmequellen in den Mittelpunkt des Geschehens. Keine Zweifel, diese Massnahmen werden die weltweite Wirtschaftsleistung einengen und andere, drängende Themen wie Umwelt, Energie und Klima übertünchen. Zeitgleich steht die bange Frage im Raum: Endet das so leichtfüssige, so angenehme Wirtschaftswachstum der letzten Dekade langsam? Trotz überschiessender Liquidität quälen sich alle führenden Industrienationen mit bedenklicher Arbeitslosigkeit und schleppender Konjunktur ab. Zukunftsweisend für unser künftiges Wohlergehen wird aber auch sein, wie wir, als offene Gesellschaft, den vor uns liegenden demographischen Wandel meistern. In diesem Gewirre von Aufgaben keimt eine Grundsatzdebatte, die von der verheerenden Finanz- und Schuldenmisere ausgelöst wurde und der wir uns in den nächsten Jahren mutig stellen müssen. Unsere Art des Wirtschaftens geht auf Kosten der Umwelt, des Klimas und der uns folgenden Generationen, und das können wir nicht mehr verantworten.

Krise? Wachstum! Schulden? Wachstum! Rettung aus dem Schuldensumpf? Wachstum! Abbau der fürchterlichen Arbeitslosigkeit, vor allem bei Jugendlichen? Wachstum! Ergrauende Gesellschaften? Wachstum! Wie soll das alles gehen? Mit einer stetig überquellenden Geldflut aus der Notenpresse? Es gibt, und dessen müssen wir uns wohl bewusst werden, keine Garantie für ewiges Wachstum, und alternde Gesellschaften schränken den Handlungsspielraum für Politik und Notenbank deutlich und nachhaltig ein.

Abwärtsrisiken

Die Abwärtsrisiken für das globale Wachstum werden sich im laufenden Jahr verschärfen (Nouriel Roubini). Es wimmelt in all den ausschlaggebenden Bereichen wie Haushaltspolitik, Überschuldung, Besteuerung und Regulierung nur so von politischen und strategischen Unsicherheiten. Vergessen wir dabei nicht, dass die Wirtschaft zwar nicht alles und jedes vereinnahmen darf, dass aber ohne Wirtschaft alles im Nichts versickert. Und – ganz wichtig - ohne wirkungsvolles Bankensystem knickt unsere Wirtschaftstätigkeit ein. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich: Wir beobachten mit Sorge, dass verschiedene Regierungen ihre Finanzinstitute in einen Schraubstock zwängen. Sie sollen Geld zu kellertiefen Zinsen ausleihen, um die Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig ihre eigenen Bilanzen sanieren und ihre Eigenkapitalquote spürbar aufwerten. Verstricken wir uns hier nicht in einem ausweglosen Widerspruch?

Viele westliche Staaten garantieren einen Grossteil ihrer neuen Schulden durch die Verpfändung des steuerpflichtigen Einkommens zukünftiger Generationen. Auch das müssten wir einmal ernsthaft bedenken.

Gelddeckung (Währungsdeckung)

Die führenden Notenbanken setzen viel aufs Spiel. Der Glaube ans Geld gerät ins Wanken, mahnt Thomas Mayer, Senior Fellow am Center for Financial Studies an der Uni Frankfurt und Berater der Deutschen Bank. Unser Geld ist heute weder durch Gold noch andere Werte gedeckt. Es bezieht seinen Wert einzig und allein aus dem Glauben, dass wir auch morgen damit Güter, Dienstleistungen oder reale Vermögenswerte wie beispielsweise Land oder Immobilien kaufen können. Von allen politischen Einflüssen unabhängige und gesetzlich auf Geldwertstabilität verpflichtete Zentralbanken sollen unseren Glauben an die Werthaltigkeit unseres Geldes nähren. Wiegen wir uns hier in fatalen Illusionen?

Zentralisierung oder Dezentralisierung?

„Wehe dem, der glaubt, man könne Europa etwa zentralstaatlich zusammenfassen, oder man könne es unter eine mehr oder minder ausgeprägte zentrale Gewalt stellen“, warnte Ludwig Erhard 1963 in Stockholm und fuhr fort: „Nein – dieses Europa hat seinen Wert, auch für die übrige Welt, gerade in seiner Buntheit, seiner Mannigfaltigkeit und Differenziertheit des Lebens. Das sind die Elemente, die unserem Dasein Farbe geben und das Leben lebenswert machen.“ Wohin aber driftet die EU, wohin verschlägt es Europa? In welcher Ordnung wollen wir leben? Dem öden Einheitsbrei eines zentralistisch gesteuerten Gebildes stehen Freiheit, Vielfalt und Wettbewerb eines dezentralen Europas gegenüber. Soll das Mass aller Dinge die EU, der Euro oder aber der Mensch sein? fragt Michael von Prollius in einem Artikel für „Cicero“. Ist heute von „mehr Europa“ die Rede, verbirgt sich dahinter meist mehr Zentralisierung und Vereinheitlichung. Der Euro treibt die Völker wieder auseinander – längst begraben geglaubte Gefühle wie Neid, Missgunst, Verachtung, selbst Hass sind wieder auferstanden und geistern durch die Lande.

Machen wir uns nichts vor: Auch 2013 wird gegackert, gepoltert, gekräht und gemeckert. Politische Themen werden die Kapitalmärkte einmal mehr bestimmen, und sie werden uns Kapitalanleger immer wieder hinters Licht führen.


 
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